Die Anfänge in der Kuratie Hl. Geist Würzburg-Dürrbachau
„Der erste Ort, an dem die Kirche
den Flüchtlingen ihre Hilfsbereitschaft zeigen muss, ist die Pfarrgemeinde;
sie hat die Aufgabe,
- Gemeindeglieder für die Not der Flüchtlinge zu
sensibilisieren …
- Fremde freundlich aufzunehmen, wie Jesus es lehrte:
„ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25, 35)
- Neuankömmlinge nicht als eine Bedrohung ihrer
kulturellen Identität und ihres Wohlstands zu betrachten. …Wohlwollen, Achtung,
Vertrauen und Teilen sind die praktischen Ausdrucksformen einer solchen Kultur
der Solidarität und Gastfreundschaft.
- Angst und Misstrauen gegenüber Flüchtlingen zu
überwinden, um in ihnen das Angesicht des Erlösers sehen zu können.“
Worte dieses vatikanischen Dokuments von 1992 standen im
Weihnachts-Pfarrbrief der Kuratie Hl. Geist im Jahr 1993. 15 Jahre sind seit
Ostern 1993 vergangen, in denen viele Christen aus der Kuratie und inzwischen
vielen Nachbargemeinden diese Worte mit Leben erfüllt haben.
ZAST
1993 wurde die ehemaligen Wehrmachtskaserne und
spätere Emery-Kasernen der US-Army in der Veitshöchheimer Strasse zum
Aufnahmelager für Flüchtlinge aus aller Welt. Bis 2005 diente sie als ZAST
(Zentrale Aufnahmestelle), als ein Durchgangslager, in dem sie einige Tage oder
Wochen verbrachten, bevor sie in andere Unterkünfte verlegt wurden.
Ostern1993 machte sich die Pfarrei Hl. Geist diese
Situation zur Aufgabe, den Asylsuchenden im Geist Christi zu begegnen und im
Pfarrheim eine regelmäßige Begegnungsmöglichkeit mit Tee, Gesprächen, Musik und
Spielen zu eröffnen. Mit großem Engagement setzte sich Pastoralreferent Herberich über viele Jahre für den „Asyl-Kontakt-Kreis Dürrbachau“ ein, der schon zu
Beginn ökumenisch geprägt war, mit Christen aus der Dürrbachau, Unterdürrbach, Margetshöchheim
und der St. Johannis Gemeinde Würzburg. Woche für Woche trafen sich ca. 30 Frauen und
Männer mit ehrenamtlichen Helfern der Gemeinden. Die starke Fluktuation der
Asylsuchenden in der ZAST machte immer wieder neue Kontakte und Gespräche über
die dramatischen Fluchtwege nach Deutschland und die Verfolgungen in ihren
Heimatländern möglich.
Aus der ZAST wird die GUIm Jahr 2005 wird aus der ZAST die GU, eine
Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber. Diese Menschen müssen seitdem häufig jahrelang in der GU bleiben, in denen ihre Asylanträge verhandelt werden oder sie in
Duldung (Aussetzung der Abschiebung) leben. Die Besuche bei den Teetreffs im Pfarrheim Hl. Geist
gehen nach und nach zurück. Waren es früher immer andere Familien, Männer und
Frauen, die zum Teetreff und zum Gottesdienst in die Kirche kamen, sind es jetzt immer wieder die, die ein monate- und jahrelanger Aufenthalt in der GU erwartet oder die, die bereits lange hier sind.
Nach einer 2-jährigen Auszeit des Kreises schliessen sich Ende 2006 dem ÖAK unter neuer Leitung von Pastoralreferent Behr zunehmend mehr Frauen und Männer aus
Würzburg und der Region an. 15 Jahre Asylarbeit
Am
Rande des 50-jährigen Jubiläums der Kuratie Hl.
Geist am 8. Juni 2008 konnte der ÖAK auf 15 Jahre Asylarbeit
zurückblicken. Nahezu unbeachtet von den Besuchern des Jubiläums im Festzelt lädt der 19 Meter lange Großraum-Truck "L A B Y
R I N T H - F L U C H T W E G“ Interessierte ein, zu "Flüchtlingen" zu werden. Ausgerüstet mit Koffern und
Kopfhörern erleben sie in der Enge und Dunkelheit des Trucks
multimedial, was Flüchtlingen widerfährt, die aus ihrer Heimat in eine
ungewisse Zukunft flüchten. Das Ende einer Ära
Mit neuem Konzept führt der ÖAK seine regelmäßigen Teetreffs ab Herbst 2009 in der GU Würzburg weiter. Im Juli 2011 endet diese lange Tradition der ÖAK-Teetreffs. Das "heimcafe" übernimmt die Montagstreffs in Eigenregie. Die Gründungsmitglieder des ÖAK Ingrid Warth und Henriette Schnabel scheiden nach 18 Jahren besonders engagierter Mitarbeit aus dem ÖAK aus. Aus der Kuratie Hl. Geist ist damit niemand mehr im ÖAK vertreten. 2012 übernimmt Pfarrer Hans C. Schmidt die Leitung des ÖAK.
PLATTFORM Die ÖAK-Mitgliedertreffen sind „PLATTFORM“, Informations- und
Vermittlungsstelle für soziale, politische und religiöse Fragen
und Projekte rund um die Asylthematik. Die Arbeit der Plattform umfasst die
- Koordination der Angebote des ÖAK (z.B. Deutsch-Konversation
für Frauen und Männer der GU Würzburg, Einzelnachhilfe, Boxtraining, Begleitung einzelner Asylbewerber bei der Wohnungs- bzw. Arbeitssuche, Projektvermittlungen)
- Kooperation
mit engagierten ehrenamtlichen Gruppierungen, der Caritas-Flüchtlingsberatung und Hauptamtlichen der kath. und evang. Kirche
- Kooperation mit kommunalen Gremien, mit Verantwortlichen der Regierung von Unterfranken und der Leitung der GU Würzburg
- Kontakt zur Asylseelsorge der Diözese Würzburg
- Planung und Gestaltung von Projekten für Asylsuchende im Raum Würzburg
- "Nacht der offenen Kirchen": Gestaltung von Kirchen zu Asylthemen
|